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Das Bardowicker Stift Die reichsten geistlichen Grundbesitzer der mittelalterlichen Welt waren die Stifter und Klöster. Durch Schenkungen von staatlicher und privater Seite kamen riesige Besitzungen zusammen. Von den Stifts- und Klostergütern, die innerhalb der Grenzen des heutigen Landkreises Lüneburg lagen, waren die Bardowicker am ältesten. Einzelheiten über die erste Ausstattung des Kollegiatstifts Bardowick sind nicht überliefert. Man darf aber als sicher annehmen, dass Karl der Große dem Stift viel Grundbesitz gab, damit es die kostspielige Missionsarbeit leisten konnte. Erst für die Zeit Kaiser Lothars fließen die Nachrichten, wenn auch bloß sehr dünn. Lothar schenkte dem Bardowicker Stift Besitzanteile an der Lüneburger Sülze. Auch Zehnte wandte er ihm zu. Die Zehnten nehmen im Kirchenbesitz einen hervorragenden Platz ein. Die Grundlage für das Zehntrecht im Bereich des Herzogtums Sachsen hatte Karl der Große gelegt, als er 785 in Paderborn bestimmte, dass der sächsische Klerus den zehnten Teil der geernteten Früchte für sich beanspruchen durfte. Es dauerte freilich nicht lange, bis dieser Grundsatz verwischt war. Die kirchlichen Zehnten gerieten vielfach an die Herzöge und andere adelige Herren. Die Zehnten wurden verkäufliche und verschenkbare Werte. Dem Bardowicker Stift — die Besitzverhältnisse sind selbst für das Hochmittelalter nur andeutungsweise zu rekonstruieren — gehörten Höfe, einzelne Äcker und Wiesen, Zehnte, Haus-, Land-, Garten- und Meierzinse sowie anderer Besitz in Bardowick, Echem, Harmstorf, Mechtersen, Ochtmissen, Rullstorf, Vögelsen, Vrestorf (Bardowick), Wennekath (Radenbeck) und anderswo. Der Besitz auf der Lüneburger Sülze erreichte, die großen und kleinen Besitzanteile zusammengerechnet, über zehn Pfannen. Auf dieser äußerst vielgliederigen wirtschaftlichen Grundlage fußte das geistliche Leben des Stifts: Meistens waren in Bardowick zwölf Kanoniker vorhanden. Jeder von ihnen hatte ein besonderes Amt zu verwalten. Einer war „custos" (Küster), einer „cantor" (Kantor), ein dritter „scholae magister" (Schulmeister); noch andere Funktionen mussten wahrgenommen werden. Alle Kanoniker wurden als „fratres praedicatores", das heißt, als „predigende Brüder", bezeichnet. In diesem Namen kommt ihr Missionsauftrag zum Ausdruck. Aber die ursprüngliche Zielsetzung, um derentwillen das Stift einst gegründet war, ging mit der Zeit verloren. Der wachsende Reichtum verursachte Trägheit. Es kam dahin, dass die Stiftsmitglieder nicht einmal mehr die „horae canonicae", die „Stunden der Kanoniker", beachteten. Nachts um drei („matutina hora"), morgens um sieben („prima hora"), um neun („tertia hora"), mittags um zwölf („sexta hora"), nachmittags um drei („nona hora"), im frühen Abend („vesperae hora") und später vorm Schlafengehen („completa hora") mussten sie sich im Chorraum des Doms zu gemeinsamen Gebeten versammeln, wenn sie ihre geistlichen Pflichten ernst nahmen. Folgten sie dagegen ihrer Bequemlichkeit, so konnten sie sich zu den Hören durch Vikare vertreten lassen. In Wohlhabenheit und Wohlleben verbrachten die Bardowicker Kanoniker des hohen und späten Mittelalters ihre Tage. Genauso wie der Präpositus, der Stiftsverwalter, waren sie vor allem auf Mehrung der Einkünfte aus.
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