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Anfang der 70er-Jahre war
es auch in Bardowick soweit: Das Discofieber erreichte die Ilmenau.
Genauer gesagt: Die Diskothek „Zur Ilmenau“ jenseits der Ilmenaubrücke in
Richtung Adendorf. Es war der Top-Treffpunkt am Sonnabend Abend. Nach
21.00 Uhr gab es diesseits und jenseits des Flüsschens Ilmenau fast keinen
Parkplatz mehr.
Die Autos, Motorräder und Mopeds kamen aus fast allen Regionen
Norddeutschlands. Die Bardowicker Disco hatte nichts mit einer kleinen,
unbedeutenden Dorfdisco zu tun. Sie hatte internationales Flair, was die
internationalen Stars und Pop- und Rockgruppen immer wieder zeigten, die
in den 70er-Jahren ständige Gäste in Bardowicks Disco waren.
Für die Babyboomer der 60er startete der Sonnabend Abend aber schon vor
dem Discobesuch richtig laut, sofern die Eltern nicht da waren oder die
Nachbarn nichts dagegen hatten, wenn die Lautsprecherboxen ab 18.00 Uhr
auf volle Lautstärke aufgedreht wurden. Im Radio lief „Die internationale
Hitparade“ mit dem bekannten Moderator Wolf-Dieter Stubel.
Danach wurde noch die Flimmerkiste angeknipst. Ilja Richter präsentierte
im Fernsehen in seiner DISCO-Sendung nationale und internationale Hits der
70er. Im damaligen Fernsehprogramm war die Musiksendung schnell zu finden:
Es gab nur drei Programme und wer heute ein altes BRAVO-Heft aufschlägt,
erfreut sich an der Übersichtlichkeit des TV-Angebotes, das auf drei
Seiten abgehandelt wurde. Natürlich mit dem Hinweisen auf die neue BRAVO
am nächsten Donnerstag und dem Start eines neuen BRAVO-Starschnitts und
das alles für 1 D-Mark.
Die Charts und Hitlisten hatten damals fast alle drauf und im Gedächtnis.
Die BRAVO-Musikbox als ständige Rubrik in der Jugendzeitschrift
präsentierte jede Woche die Hits aus Deutschland, England und Amerika.
Besonderes Augenmerk galt der LP-Parade. Hier wurden die beliebtesten
Langspielplatten (LP) der Woche aufgelistet und später auch gekauft. Wie
zum Beispiel das Top-Album „Bridge over troubeld Water“ von SIMON and
GARFUNKEL. Ein Welterfolg.
Ein Blick in das BRAVO-Heft Nummer 5 vom 25. Januar 1971 zeigte MIGUEL
RIOS mit seinem Song „A Song of Joy“ auf Platz 1. Dieser Hit war Anfang
der 70er wochenlang auf den vorderen Hitlisten zu finden und ein Ohrwurm
wie „My sweet Lord“ von Ex-BEATLE GEORGE HARRSION. Gefolgt wurde er von
CHRIS ROBERTS mit seinem Hit „Ich bin verliebt in die Liebe“. Als
musikalisches Kontrastprogramm landete auf Platz 3 die Rockgruppe BLACK
SABBATH mit ihrem Hit „Paranoid“.
Kleine Anmerkung für die CD-und mp3-Generation von heute: Die kleine
schwarze Vinyl-Schallplatte hieß damals „Single“ und war der kleine Bruder
von der LP. Gekauft wurden diese kleinen schwarzen Scheiben am liebsten in
Lüneburg im Plattenladen „Redlich und Löffler“.
Dieser kleine Laden war damals das Schallplatten-Paradies für jeden
Plattenfan. Denn es wurden auch ausgefallene Plattenwünsche erfüllt. Auf
den roten Barhockern saßen damals viele und hörten vorab ihre
Lieblingssongs an. Bevor sie sich die neue Hit-Single für Sechs D-Mark mit
nach Hause nahmen. Übrigens: Wer nicht so viel Taschengeld hatte, nahm
die Songs stundenlang auf den kleinen Musik-Cassetten mit dem
Radio-Rekorder auf.
Diese Hits präsentierte unter anderem der legendäre Bardowicker Diskjockey
„Douglas“ jeden Sonnabend bei drehender Discokugel, die mit ihren
Spiegelglasplättchen ein Discofieber wie im legendären „Studio 54“ in New
York vermittelte, bevor zu viele Biere und Longdrinks einem die Sinne
vernebelten. Mit Fahrrad, Mofa oder Moped ging es im Pulk ab 20.00 Uhr zur Disco an
die Ilmenau. Die Szenerie vor der Disco war fast immer die gleiche:
Einige Zeitgenossen versuchten mit ihrem Kleinkraftrad Marke „Hercules"
nur auf dem Hinterrad mit hochgerissenem M-Lenker über die Ilmenaubrücke
zu driften oder ließen die Hinterräder ihres alten VW-Käfers mit
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Fotos aus dem Gästebuch
des DJ's |
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schleifender Kupplung
durchdrehen und qualmen, um ein wenig Aufmerksamkeit bei den Damen zu
erlangen, die im Glitter-Look und High Heels vor dem Eingang
standen. Nächtliches Balzverhalten mit weniger als 50 Pferdestärken unter der
Motorhaube: in den 70er keine Seltenheit und immer wieder gern gesehen.
Einige Zeitgenossen nahmen diese kleinen „Burn Outs“ auf der Straße nicht
immer wahr. Denn sie hatten zum wiederholten Mal das Angebot der Woche in
der Hand: Ein volles Glas Cola-Rum. Beliebter Drink in der damaligen Zeit,
der so manchen Diskoabend schon vor Mitternacht abrupt beendete.
Bevor der Diskjockey richtig loslegte, gab es Musiktitel vom Band und auf
den Tischen lagen die begehrten DIN-A5-Blättchen aus. Neben Witzen,
Veranstaltungstipps, Pop-News waren die beiden Hitlisten abgedruckt. Zum
einen die internationale Hitliste und zum anderen die Oldie-Hitparade.
Am 23. April 1975 führte SCOTT McKENZIE mit „San Francisco“ die
Oldie-Hitparade in Bardowick an und die BEE GEES sangen auf Platz 2 von
einer Stadt mit Namen „Massachusetts“. Die EQUALS wurden mit ihrem Song „Let's
got to the moon“ als Neuvorschlag vorgestellt.
In die internationale Hitparade wählten Bardowicks Discobesucher im April
1975 die Rockgruppe STATUS QUO mit „Down Down“ auf Platz 2. Gefolgt von
BILLY SWAN mit „I can help“. Neu in der Hitliste war damals die Gruppe
COCKNEY REBEL mit „Make me smile“ und als Neuvorschlag gab es die GEORGE
BAKER SELECTION mit dem 70er-Jahre-Hit schlechthin zu hören: „Paloma
Blanco“.
Wie international das Flair in Bardowicks Disco, nicht nur dank Video- und
Musik-Clips, abgespielt auf einer großen Leinwand, war, zeigen die
Star-Gastspiele zwischen 1972 bis 1980. Sie lesen sich wie eine Who-is-Who-Reihe zur Rock- und Popgeschichte.
Ein kleiner Auszug:
Die Pop-Gruppe TREMELOES („Ride on“, „Hello Buddy“) gastierte erstmalig
1975 in Bardowick. Die legendäre und schon genannte GEORGE BAKER SELCETION
(„Paloma Blanca“) spielte an der Ilmenau gleich drei mal. Der Weltstar
BONNIE TYLER („It's a heartache“, „Lost in france“) gab sich in
Bardowick 1978 die Ehre. Auch Amanda Lear („Follow Me“, „Queen Of
Chinatown“) brachte die Fans mit einer tollen Bühnenshow im April 1978 in
Stimmung.
Vom Discofieber ist Bardowick inzwischen geheilt und befreit.
Aber, wer heute die Hits von damals fast täglich im Radio zu hören bekommt
oder die vielen Plakate an den Straßenrändern sieht, auf denen von
„Ü-30“-oder „Ü-40“-Partys die Rede ist, erinnert sich gern an die wilde
Disco-Zeit und die vielen Hits in der Discothek „Zur Ilmenau“.
Schon irgendwie komisch, dass wir als „Über-40-Jahre-Generation“ das
besondere Glück haben, noch zu Lebzeiten unsere Schlager und Hits als
Oldies hören zu dürfen. In diesem Sinne: „Licht aus !..Wooom,...Spot an!
...Yeeaaah...“
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