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Western-Fort in der Bardowicker Siedlung Text und Fotos: Albert Alten |
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Wer heute die Rathmann-Cohrs-Straße in
Bardowick entlang fährt, spürt auch hier den demografischen Wandel in
Deutschland im 21. Jahrhundert: Fast keine Kinderstimmen, alles ruhig und
kein Laut stört die Idylle in dieser Straße. Selbst der Kinderspielplatz
ist verwaist und versteckt sich hinter einem Zaun. Ein Blick auf den
Spielplatz zeigt, daß auch hier keine Ruhestörung zu befürchten ist.
Vereinzelt spielen dort zwei oder drei Kinder in der Sandkiste oder
schaukeln - natürlich fast immer in Begleitung ihrer Eltern. Jedes
vorbeifahrende Auto erzeugt mehr Lärm als dieser unscheinbare
Kinderspielplatz.
Schon Mitte der 70er-Jahre spielten hier immer weniger Kinder mit ihren Rollern oder im Sand. Selbst Pferde wurden in diesem Fort nie gesehen oder vor dem Blockhaus angebunden. Statt dessen nahmen die Baby-Boomer der 60er-Jahre das Fort mit ihren Mofas, Mopeds, Mokicks und Kleinkrafträdern in Beschlag. Im Blockhaus wurden die ersten heimlichen Zigaretten geraucht und die erste junge Liebe unter Jugendlichen aus der Bardowicker Siedlung oder aus dem Dorf nahm hier mit einem zarten Kuss ihren Anfang. Begleitet von unzähligen Zigarettenkippen und jeder Menge Dreck auf dem Spielplatz. Auf dem Gelände drehten besagte 50ccm-Mopeds und Mofas ihre Runden im Sand oder übten sich, wie der Autor dieser Zeilen, in wilden Burn-Outs und ließen den Sand mal so richtig bei durchdrehenden |
Hinterreifen durch die Luft oder ins Blockhaus wirbeln.
Immer öfter brannte auch mal ein Autoreifen im
Fort am Lagerfeuer oder ein Kasten Bier wurde nach durchzechter Nacht am
Wochenende einfach stehen gelassen. Im Polizeideutsch hieß das auch
damals: "Die öffentliche Sicherheit und Ordnung ist durch das Western-Fort
gefährdet." Scherben lagen täglich auf dem Gelände wie wild entsorgter
Müll herum, Schlägereien gab es in schöner Regelmäßigkeit und die örtliche
Polizeistreife war nicht selten vor Ort, wenn es mal wieder richtig laut
wurde oder Nachbarn sich über den Krawall im Fort beschwerten. Es war eine
wilde Zeit und so manch einer im Gemeinderat sah diesem Treiben mit
Argwohn zu. Die Exzesse und Saufgelage im Western-Fort brachten den
Abenteuerspielplatz schnell in Verruf Von Sandkastenspielen oder
Cowboy-und-Indianer-Abenteuern war gegen Ende der 70er-Jahre schon lange
keine Rede mehr auf diesem Abenteuerspielplatz. |