Das alte Freibad  von Albert Alten

Seit geraumer Zeit hat Bardowick ein schönes Strandbad. Geschwommen und gebadet wird in diesem Naturbad ohne Chlor. Vor mehr als 30 Jahren war das anders. In den legendären siebziger Jahren: Als die Babyboomer mit Fahrrädern und Mofas in das alte Bardowicker Freibad (siehe Foto) stürmten.

Es waren die Hercules-Mofas M4 oder M5, die in dieser Zeit vor dem Bardowicker Freibad neben einigen Zündapp- und Peugeot-Mofas in der Sonne parkten. Oft in knalligem Orange lackiert und in der Regel beim Fahrradhaus Lohrs kurz nach der Konfirmation gekauft. Ein Fahrradhaus, welches heute nicht mehr existiert. Eintritt in das alte Freibad verschafften sich viele mit einer Saisonkarte aus Pappe, die dauerhaft auf der Rückseite mit dem Namen als Unterschrift gültig "gekritzelt" wurde.

Auf der Liegewiese wurde die Wolldecke ausgebreitet, die nicht selten den Geruch von alten Socken und vergossener Cola hatte. Wer was auf sich hielt, hatte einen kultigen Kassettenrekorder dabei. Das waren nicht selten diese schweren Geräte mit Holzfurnier und vielen Chromtasten. "In the summertime" von Mungo Jerry oder "Co-Co" von der britschen Popgruppe The Sweet waren einige Ohrwürmer auf der Liegewiese des alten Bardowicker Freibades in den frühen siebziger Jahren.

Der Autor dieser Zeilen hat noch heute sein damals beliebtes "Magnetophon Partysound" der Marke Telefunken (siehe Foto). Auf den selbst bespielten Cassetten erklangen fast immer die aktuellen Hits aus den Charts der örtlichen Disco jenseits der Ilmenau, die jeden Sonnabend ein Kult-Treff für die Jugend war. Der nicht minder legendäre Discjockey von damals ist bekanntlich der Webmaster dieser Homepage von heute. Die Disco im Dorf und die oft gestellte Sonnabend-Frage "Wollen wir zu Cohrs ?" sind leider auch längst Geschichte.
Bevor es in das wohl temperierte Chlorwasser ging, verbrannte man sich gern die Fußsohlen auf dem heißen Beckenrad aus Beton oder schaute in die Runde, ob die Traumfrau aus der Parallelklasse zufällig auch da war. Viele in der Pubertät hatten mit 14 oder 15 Jahren damals schon sehr konkrete Vorstellungen, welche Frau oder welchen Mann sie heiraten  wollten. Lästig hingegen war damals der Badekappenzwang.

Denn die Haare wurden länger und diese lange Pracht wollte jeder zeigen. Aber die Badekappenpflicht wurde von den damaligen Bademeistern Herrn Spiller und seinem Nachfolger Herrn Schulz kontrolliert. Ihre Anweisungen waren damals Gesetz und bedurften keiner Diskussion.

Ja, die beiden Bademeister waren damals noch unantastbare Autoritätspersonen, denen man gern beim Schlichten von Konflikten auf der Liegewiese oder vor dem Kiosk zuschaute. Schon damals sahen es Bademeister nicht gern, wenn man verbotener Weise die Mädchen in das Becken schupste oder zu einer "Arschbombe" vom Beckenrand ansetzte, um mindestens zwanzig Personen auf einmal mit seinem Sprung ins Wasser nass zu spritzen. Doch viele ließen sich auch gern ins Wasser werfen, um für einen kurzen Moment im Rampenlicht der Aufmerksamkeit aufzutauchen. Der "Köpper" (Kopfsprung) vom Drei-Meter-Brett aber war erlaubt und wurde mit minutenlagem Hüpfen auf dem Sprungbrett eingeleitet, damit auch jeder sehen konnte, wie elegant man "vom Dreier" springen konnte.

Bevor man das Freibad verließ, gab es noch die obligatorischen Pommes Frites und schon mal das erste Bier in dem Alter. Beides wurde auf zierlichen Klappstühlen vor dem Kiosk mit Genuss verzehrt. Wer es schaffte, nahm sich noch ein Softeis auf die Hand, um es auf den Tank seiner Mofa tropfen zu lassen oder es im Fahrtwind bei frisiertem Tempo 40 gänzlich zu verlieren. Diese Zeilen sind dem Autor beim Sprung in den Brunnen seiner Erinnerungen im neuen Strandbad Bardowick eingefallen.