|
Seit geraumer Zeit hat Bardowick ein schönes
Strandbad. Geschwommen und gebadet wird in diesem Naturbad ohne Chlor. Vor
mehr als 30 Jahren war das anders. In den legendären siebziger Jahren: Als
die Babyboomer mit Fahrrädern und Mofas in das alte Bardowicker Freibad
(siehe Foto) stürmten.
Es waren die Hercules-Mofas M4 oder M5, die in dieser Zeit vor dem
Bardowicker Freibad neben einigen Zündapp- und Peugeot-Mofas in der Sonne
parkten. Oft in knalligem Orange lackiert und in der Regel beim
Fahrradhaus Lohrs kurz nach der Konfirmation gekauft. Ein Fahrradhaus,
welches heute nicht mehr existiert. Eintritt in das alte Freibad
verschafften sich viele mit einer Saisonkarte aus Pappe, die dauerhaft auf
der Rückseite mit dem Namen als Unterschrift gültig "gekritzelt" wurde.
Auf der Liegewiese wurde die Wolldecke ausgebreitet, die nicht selten den
Geruch von alten Socken und vergossener Cola hatte. Wer was auf sich
hielt, hatte einen kultigen Kassettenrekorder dabei. Das waren nicht
selten diese schweren Geräte mit Holzfurnier und vielen Chromtasten. "In
the summertime" von Mungo Jerry oder "Co-Co" von der britschen Popgruppe
The Sweet waren einige Ohrwürmer auf der Liegewiese des alten Bardowicker
Freibades in den frühen siebziger Jahren.
Der Autor dieser Zeilen hat noch heute sein damals beliebtes "Magnetophon
Partysound" der Marke Telefunken (siehe Foto). Auf den selbst bespielten
Cassetten erklangen fast immer die aktuellen Hits aus den Charts der
örtlichen Disco jenseits der Ilmenau, die jeden Sonnabend ein Kult-Treff
für die Jugend war. Der nicht minder legendäre Discjockey von damals ist
bekanntlich der Webmaster dieser Homepage von heute. Die Disco im Dorf und
die oft gestellte Sonnabend-Frage "Wollen wir zu Cohrs ?" sind leider auch
längst Geschichte.
Bevor es in das wohl temperierte Chlorwasser ging, verbrannte man sich
gern die Fußsohlen auf dem heißen Beckenrad aus Beton oder schaute in die
Runde, ob die Traumfrau aus der Parallelklasse zufällig auch da war. Viele
in der Pubertät hatten mit 14 oder 15 Jahren damals schon sehr konkrete
Vorstellungen, welche Frau oder welchen Mann sie heiraten wollten.
Lästig hingegen war damals der Badekappenzwang. |

Denn die Haare wurden länger und diese lange
Pracht wollte jeder zeigen. Aber die Badekappenpflicht wurde von den
damaligen Bademeistern Herrn Spiller und seinem Nachfolger Herrn
Schulz kontrolliert. Ihre Anweisungen waren damals Gesetz und bedurften
keiner Diskussion.
Ja, die beiden Bademeister waren damals noch unantastbare
Autoritätspersonen, denen man gern beim Schlichten von Konflikten auf der
Liegewiese oder vor dem Kiosk zuschaute. Schon damals sahen es Bademeister
nicht gern, wenn man verbotener Weise die Mädchen in das Becken schupste
oder zu einer "Arschbombe" vom Beckenrand ansetzte, um mindestens zwanzig
Personen auf einmal mit seinem Sprung ins Wasser nass zu spritzen. Doch
viele ließen sich auch gern ins Wasser werfen, um für einen kurzen Moment
im Rampenlicht der Aufmerksamkeit aufzutauchen. Der "Köpper" (Kopfsprung)
vom Drei-Meter-Brett aber war erlaubt und wurde mit minutenlagem Hüpfen
auf dem Sprungbrett eingeleitet, damit auch jeder sehen konnte, wie
elegant man "vom Dreier" springen konnte.
Bevor man das Freibad verließ, gab es noch die obligatorischen Pommes
Frites und schon mal das erste Bier in dem Alter. Beides wurde auf
zierlichen Klappstühlen vor dem Kiosk mit Genuss verzehrt. Wer es
schaffte, nahm sich noch ein Softeis auf die Hand, um es auf den Tank
seiner Mofa tropfen zu lassen oder es im Fahrtwind bei frisiertem Tempo 40
gänzlich zu verlieren. Diese Zeilen sind dem Autor beim Sprung in den
Brunnen seiner Erinnerungen im neuen Strandbad Bardowick eingefallen. |